Es gibt Künstler, die mit Farbe arbeiten, andere mit Klang – und Thierry Dreyfus mit Licht. In Zusammenarbeit mit DCW éditions, dem Pariser Label für zeitgenössische Beleuchtung, übersetzt er seine poetische Sicht auf das Flüchtige in skulpturale Objekte, die Räume verwandeln. Seine Arbeiten entstehen im Spannungsfeld zwischen Kunst, Architektur, Mode und Emotion – sie erzählen von Stille, Bewegung und Wahrnehmung. Dreyfus gilt als einer der wenigen, die Licht nicht nur inszenieren, sondern auch komponieren. Schon früh begann er im Theater und an der Oper zu arbeiten, bevor er 1985 seine ersten eigenen Lichtkonzepte für Modenschauen von Patrick Kelly, Helmut Lang und Thierry Mugler entwickelte. Seither hat er die Ästhetik der Modebühne geprägt wie kaum ein anderer: für Dior Homme unter Hedi Slimane, für Comme des Garçons, Calvin Klein, Marni, Jil Sander oder Yves Saint Laurent, dessen legendäres Jubiläum im Centre Pompidou er 2001 in ein atmosphärisches Lichtszenario verwandelte.

Licht ist für Dreyfus kein Werkzeug, sondern eine Sprache. „Es hat keine Worte“, sagt er. „Es spricht nicht intellektuell. Es ist reine Emotion.“ In diesem Geist entstanden einige der poetischsten Installationen der jüngeren Kunstgeschichte: Als das Grand Palais 2005 nach seiner Restaurierung wiedereröffnet wurde, ließ Dreyfus das monumentale Glasdach in farbigen Wellen erstrahlen – eine leuchtende Hommage an Paris, die mehr als eine halbe Million Besucher in Staunen versetzte. Ein Jahr später inszenierte er für „Versailles Off“ ein Spiel aus Feuer und Wasser, 2010 tauchte er die Kathedrale Notre-Dame während der „Nuit Blanche“ in atmende Farben. Ob im Auftrag von Museen, Städten oder Modehäusern – immer geht es ihm darum, Licht als Resonanzraum zu begreifen: als Spiegel, als Haut, als Atem.
Neben seinen temporären Interventionen entstehen im Atelier Thierry Dreyfus auch dauerhafte Werke – leuchtende Objekte, Skulpturen und Möbel, die in Galerien von Paris bis New York gezeigt werden. Arbeiten wie „Nuage I“, eine schwebende Skulptur aus 200 Betonwürfeln, oder „Rupture“, eine in Zusammenarbeit mit Flos entstandene Wandleuchte, zeigen, wie präzise Technik und Poesie sich verbinden können. In jüngerer Zeit öffnete sich Dreyfus’ Werk einem neuen Kapitel: Mit DCW éditions entwickelte er die skulpturalen Leuchten „B“ und „J“, beide in limitierter Edition und in Varianten aus Holz, Marmor oder Blattgold. Sie übersetzen sein Verständnis von Licht als lebendige Materie in Objekte, die zugleich funktional und meditativ sind – stille Skulpturen, die Räume zum Atmen bringen.



Seine Lichtszenografien für David Lynchs Pariser Club Silencio, die Retrospektiven von Azzedine Alaïa oder die Ausstellung „Rei Kawakubo / Comme des Garçons: Art of the In-Between“ im Metropolitan Museum of Art in New York zeugen von der seltenen Balance aus Intellekt und Intuition. Auch als Fotograf nähert sich Dreyfus dem Phänomen des Lichts – mit einer Vintage-Hasselblad, ohne Blitz, ohne Retusche. Seine Bilder sind stille Meditationen über Zeit und Sichtbarkeit, veröffentlicht in Ausstellungen und in seinem Fotoband bei Éditions du Regard.

Für Dreyfus ist Licht nie nur Mittel zum Zweck, sondern ein lebendiges Material, das Emotionen formt. Er verwandelt es in Struktur, in Rhythmus, in eine unsichtbare Architektur, die Menschen miteinander verbindet. Ob auf den Fassaden großer Gebäude, in den Sälen von Modehäusern oder in den stillen Räumen seiner „Objects of Light“ – jedes Werk ist eine Einladung, das Unsichtbare zu fühlen. „Ich wollte, dass Notre-Dame atmet“, sagte er einst über seine Pariser Installation. Vielleicht beschreibt dieser Satz sein gesamtes Schaffen: das Bedürfnis, das Starre zu lösen, das Materielle zu beleben, das Unfassbare erfahrbar zu machen. Mit seinen aktuellen Arbeiten für DCW éditions führt Thierry Dreyfus diese Idee weiter – als Künstler, der das Licht nicht einfach gestaltet, sondern ihm zuhört. Weitere Informationen unter DCW éditions