Kein Massentourismus, keine Hektik: das ist Guernsey! Die entspannte Insel mit rund 63.000 Einwohnern gehört zur britischen Krone (aber nicht zum Vereinigten Königreich!) und liegt rund eine Flugstunde von London entfernt. Vom Flair her trifft ein Hauch Paris auf San Francisco und das mitten im Ärmelkanal.
Understatement mit britischem Charme
Küstenwanderungen an einsamen Stränden, lokale Food-Festivals mit kosmopolitischem Touch und eine lässige Atmosphäre, die Understatement zur Lebensphilosophie erhoben hat: Guernsey tickt anders. Auf der britischen Insel tragen die pittoresken Häuser Namen statt Nummern – Hollywood House, Elmwood oder Sunflower, Parkgebühren gibt es nicht und an den abgelegenen Küstenstraßen sucht man vergeblich Straßenlaternen. Nachts leuchten einem die Sterne den Weg und selbst die Möwen in der quirligen Hauptstadt St. Peter Port sind britisch höflich und würden Besuchern niemals das Eis aus der Hand stibitzen.
Guernsey ist die zweitgrößte der Kanalinseln, die vor der französischen Küste im Ärmelkanal liegen. Einst gehörte sie zur Normandie und hatte bis 1948 Französisch als Amtssprache, was die vielen frankophonen Straßennamen erklärt. Bis heute besitzt Guernsey eine eigene Währung (Guernsey-Pfund) samt eigener Regierung und eigenen Gesetzen. Wer am Flughafen der Insel landet, ist in knapp 20 Minuten in der entspannt-hübschen Hafenstadt St. Peter Port, kann über die kopfsteingepflasterten Gassen schlendern, in kleinen Boutiquen shoppen und in Restaurants gehobene internationale Küche genießen. Unbedingt probieren: Inselklassiker wie der kräftige Bohneneintopf Bean Jar, fangfrischer Hummer und das süße Hefebrot Guernsey Gâche.
Zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst feiert die Insel zudem beim Food-Festival The Big Eat Guernsey die regionale Küche mit lokalen Meeresfrüchten, heimischem Rindfleisch und Milchprodukten. Einen guten Monat lang gibt es in dann teilnehmenden Restaurants spezielle Menüs, Tastings sowie kulinarische Veranstaltungen. Ein Must-Visit für Foodies! Das ganze Jahr über beliebte Lokale bei Einheimischen wie Touristen sind etwa das Alba, ausgezeichnet mit einem Bib Gourmand des Guide Michelin, und das schicke Steak und Seafood-Lokal Balthazar an der Uferpromenade von St. Peter Port.
Safari-Tour über die ganze Insel
Eine umfassende Inseltour der besonderen Art ist The Real Guernsey Taste Safari von Betreiber Anthony. In einem offenen Land Rover geht es über schmale Landstraßen zu Bauernhöfen, über Wälder und Wiesen mit Stopps für Kostproben lokaler Zutaten, aber auch, um Guernseys Big 3 live zu sehen: Esel, Rinder und die geadelten Royal Guernsey Golden Goats. Mit etwas Glück taucht auch mal ein Puffin (Papageitaucher) an der Küste auf.
Ein weiterer spannender Stopp der Taste Safari sind die berühmten „Hedge Veg Stalls“, kleine Selbstbedienungsstände am Straßenrand, an denen neben Blumen Gemüse, Eier, Marmeladen und sogar frisch gebackene Cookies auf Vertrauensbasis verkauft werden.
Eine Insel mit Schönheit und ohne Statussymbole
Samstags auf Guernsey lohnt sich ein Abstecher zum Bauernmarkt auf Sausmarez Manor, wo regionale Erzeuger Käse, Gemüse, Backwaren und Kunsthandwerk verkaufen. Von Frühjahr bis Herbst locken zudem die Seafront Sundays – eine Art großer Flohmarkt am Hafen mit Food Trucks, Live-Musik und ausgelassener Stimmung.
Als ebenso traditionsreich auf der Insel gilt der Besuch bei Le Tricoteur, wo bis heute die weltberühmten Guernsey-Pullover gefertigt werden – einst Arbeitskleidung der Fischer, heute Designklassiker, die sogar ihren Weg in Magazine wie die Vogue fanden.
Doch Guernsey kann mehr als coole Klamotten und gutes Essen. Ein Highlight für Literaturfans ist das Hauteville House in dem der französische Schriftsteller Victor Hugo während seines Exils auf der Insel große Teile von Les Misérables schrieb. Tipp: Den wunderschönen Garten kann man auch ohne Eintrittskarte besuchen!
Kunstliebhaber können wiederum im wortwörtlichen Sinne auf den Spuren des impressionistischen Malers Pierre-Auguste Renoir wandeln. Seine Lieblingsmotive auf Guernsey, wo er 1883 einen Monat lang Ferien machte, gibt es entlang eines ausgeschilderten Spazierwegs – dem Renoir Walk – zu entdecken. Noch ursprünglicher ist da nur mehr die autofreie Nachbarinsel Herm (in ca. 20 Minuten mit der Fähre von Guernsey aus erreichbar). Keine Autos, keine Hektik. Stattdessen weiße Sandstrände, Küstenpfade und Ausblicke auf ein türkis funkelndes Meer. Auf Guernsey wird kein Luxus zelebriert, sondern Lebensqualität und eine Landschaft, die das ganze Jahr über wild und wunderbar ist.
Mehr Informationen unter: www.visitguernsey.com. Es gibt tägliche Verbindungen mit British Airways von vielen deutschen Flughäfen mit Zwischenstopp in London nach Guernsey.
Text: Nina Zeller. Fotos: Visit Guernsey, Nina Zeller