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Die Rückkehr des Glanzes

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Wenn sich über den Bergen des Schwarzwalds die ersten Nebel senken und das Laub in goldene Schattierungen taucht, verwandelt sich Baden-Baden in eine Bühne zwischen Märchen und Moderne. Der Duft von Tannenzweigen, gebrannten Mandeln und Champagner liegt über der Stadt, die einst als Sommerhauptstadt Europas galt und jetzt wieder zu ihrer schönsten Jahreszeiten erwacht – Herbst und Winter. Wer jetzt kommt, erlebt eine Stadt, die Geschichte atmet, aber in der Gegenwart tanzt: im Glanz des Kurhauses, unter den Lichtern des Christkindelmarkts, zwischen Ballett, Burlesque und Beaux-Arts-Architektur.

Vor dem Kurhaus öffnet sich ab dem 27. November der traditionsreiche Weihnachtsmarkt, ein Wintermärchen mit kleinen Häuschen aus Holz, funkelnden Lichterketten und dem würzigen Geruch von Punsch. Bis zum 6. Januar zieht er Gäste aus aller Welt an, die durch den Schnee stapfen, während über den Arkaden der Trinkhalle Chöre singen und sich das Licht an den Marmorsäulen bricht.

Baden-Baden zelebriert diese Zeit mit Stil – nicht laut, sondern kultiviert, mit jener Nonchalance, die schon Dostojewski faszinierte, als er hier sein „Spieler“-Manuskript schrieb. In den Sälen des Festspielhauses hebt sich im Dezember der Vorhang für ein anderes Märchen. Das Ukrainische Nationalballett zeigt die „Schneekönigin“, eine Choreografie voller Zartheit und Widerstandskraft, Sinnbild einer Kunst, die sich nicht beugen lässt.

Kurz darauf erklingt Mozarts „Don Giovanni“ unter der Leitung von Iván Fischer, eine Inszenierung, in der Klang und Körper miteinander korrespondieren und die Magie des Musiktheaters lebendig wird. Kaum eine Stadt vereint Hochkultur und Leichtigkeit so selbstverständlich – von der Opernbühne bis zum Casino, das sich im November in „Deep Rouge“ verwandelt: eine Nacht voller Musik, Burlesque und hypnotischer Eleganz. Hinter der klassizistischen Fassade des Kurhauses glitzert die Vergangenheit wie ein Spiegelball, während Tänzerinnen in rotem Licht über die Bühne gleiten – eine Reminiszenz an die mondänen Feste vergangener Jahrhunderte.

Doch Baden-Baden wäre nicht Baden-Baden ohne seine Museen. Das Museum Frieder Burda zeigt in dieser Saison „Max Liebermann und seine Zeit“ – eine Ausstellung, die das Licht der Spätimpressionisten aufleben lässt. Richard Meiers weißes Gebäude scheint selbst wie ein Kunstwerk aus Schnee, das in der Wintersonne zu schmelzen beginnt.

Zwischen Lichtentaler Allee und Oos kann man hier den Sonntag so verbringen, wie ihn sich Goethe wohl erträumt hätte: mit einem Spaziergang, einer Ausstellung und einem Tee im Brenners. Das Brenners Park-Hotel & Spa, frisch renoviert und in neuem Glanz, ist und bleibt das Herzstück der Stadt. Seit Frank Sinatra dort seine Zeilen ins Gästebuch schrieb, hat sich vieles verändert, aber nichts verloren. Das Grandhotel ist ein Ort, an dem Zeit zur Haltung wird – klassische Eleganz, warme Farben, diskreter Luxus. In den Salons duftet es nach poliertem Holz und Scones, auf dem Tablett glänzt das Silber von Christofle. Küchenchef Farid Fazel serviert im Restaurant Fritz & Felix bretonischen Steinbutt mit Seeigel-Nage, während draußen die Oos glitzert. Die Zimmer wirken wie aus der Zeit gefallen – in Seegrün, Mitternachtsblau oder Rosé – und erzählen Geschichten, ohne zu reden. Ein Brenners-Tag kann am Kamin beginnen und in der Villa Stéphanie enden, wo modernste Medizintechnologie auf altmodische Achtsamkeit trifft. Zwischen JetPeel-Facials und Ayurveda-Massagen entsteht hier ein Ort der Entschleunigung, an dem selbst die Stille stilvoll klingt.

Wer es futuristischer mag, zieht ins Roomers. Das Designhotel hat mit Recover Society ein Konzept entwickelt, das Longevity neu denkt – mit Hyperbaric-Oxygen-Therapie, Rotlicht, Kältebädern und maßgeschneiderten Infusionen. Die Zukunft der Wellness scheint in Baden-Baden schon Gegenwart. Doch die Stadt kennt auch den Luxus des Einfachen: das Schweben im warmen Thermalwasser der Caracalla Therme, das Ritual der römisch-irischen Bäder im Friedrichsbad, das Flirren der Kälte, wenn man nach draußen tritt und der Dampf über der Haut tanzt. Der Nebel legt sich wie ein Schleier über die Kuppeln, während Glocken von der Stiftskirche klingen – Momente, in denen Baden-Baden nicht alt, sondern ewig wirkt. Am Abend verführt die Lichtentaler Allee zu einem Spaziergang durch Jahrhunderte. Kastanien, Platanen, Magnolien – alle tragen ein goldenes Kleid. Zwischen Parkvillen, Kunsthalle und Museum LA8 weht ein Hauch von Paris. Wer Glück hat, trifft auf eine Probe der Philharmonie oder ein spontanes Jazz-Trio im Baldreitgarten. Der Advent bringt das alte Europa zurück: Laternen, Pelzkrägen, Punsch im Porzellanbecher, Damen mit Hut, Herren im Tweedmantel. Hier trägt selbst der Winter Samt. In den Boutiquen blinken Glitzersteine, in den Galerien funkeln Leinwände, im Café König wartet die Sachertorte mit einem Hauch Cognac. Und wenn draußen der Schnee fällt, sitzen die Gäste an den Fenstern und schauen hinauf zum Alten Schloss Hohenbaden, das in den Wolken verschwindet. Baden-Baden war immer ein Sehnsuchtsort für jene, die das Schöne ernst nehmen. Für Künstler, Komponisten, Feingeister. Heute ist es ein Refugium für alle, die in der Geschwindigkeit des Alltags einen Moment der Zeitlosigkeit suchen – zwischen Thermalwasser und Theaterabend, zwischen Pasolini-Lektüre und Pastry-Teller.

Der Winter 2025/26 wird in Baden-Baden kein Innehalten, sondern ein Stilbekenntnis. Eine Stadt, die weiß, wie man Stille inszeniert, wie man Wärme kultiviert und Eleganz neu erfindet. Hier endet kein Jahr – hier beginnt ein Gefühl. Zwischen den Hügeln des Reblands hebt sich der Morgennebel wie ein Vorhang, darunter Reihen alter Rebstöcke, Weingüter mit warmem Licht hinter Butzenscheiben und Gläsern, in denen Riesling und Spätburgunder nach Quitte, Kräutern und nassem Stein duften. Wer die Stadt verlässt, erreicht über die Schwarzwaldhochstraße Aussichtspunkte, an denen das Rheintal wie eine gläserne Ebene liegt und in der Ferne die Vogesen schimmern. Auf den Pfaden zu den Geroldsauer Wasserfällen knistern Blätter, das Wasser stäubt fein, und selbst an frostigen Tagen trägt der Wald einen weichen Klang. Zurück in Baden-Baden, ein Abstecher in die Belle-Époque-Salons des Kurhauses, später ein Spaziergang zum Alten Schloss, wo der Wind an den Mauern sägt und die Stadt wie eine Miniatur zu Füßen liegt. Am Abend schließt sich der Kreis: Maison Messmer für einen kurzen Halt an der Bar, dann eine letzte Runde durch die Allee, über der die Sterne so klar stehen, als wären sie nur für diesen Winter poliert worden. Weitere Informationen unter BADEN BADEN

Veranstaltungstipps Winter 2025/26 – Baden-Baden

Christkindelmarkt Baden-Baden
27. November 2025 – 6. Januar 2026 – Vor dem Kurhaus Baden-Baden Weihnachtsglück im Flair der Welterbe-Stadt, umrahmt vom Schwarzwald.

„Die Schneekönigin“ – Ukrainian National Ballet
12.–14. Dezember 2025 – Festspielhaus Baden-Baden
Ein Märchen voller Poesie, Mut und Magie – Tanz als Ausdruck des Widerstands.

„Don Giovanni“ von Mozart – Iván Fischer & Orchestra
19. & 21. Dezember 2025 – Festspielhaus Baden-Baden
Ein neues Kapitel klassischer Opernkunst, bei dem das Ohr dem Körper den Weg weist.

„Deep Rouge“ – Burlesque Show im Casino Baden-Baden
21. & 22. November 2025, jeweils 20 und 23 Uhr – Kurhaus Baden-Baden
Performance, Musik und Magie – eine Nacht in Rot, inszeniert mit Industrial Theatre.

Ausstellung „Max Liebermann und seine Zeit“
3. Oktober 2025 – 8. Februar 2026 – Museum Frieder Burda
Eine Hommage an den Impressionismus und an das Licht der Kunst.

VIVA Monaco Redaktion

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