Text: Bernard Werkmeister
Mailand bleibt zur Fuorisalone 2025 Schauplatz für stilprägende Statements im Möbeldesign – mittendrin die österreichische Manufaktur Wittmann, die unter dem neuen Markenansatz „Cultivating Comfort“ in den Spazio Maria Calderara einlädt. Der lichtdurchflutete Showroom am Rande des Stadtzentrums liegt in einem Innenhof zwischen Porta Venezia und Piazza della Repubblica und vereint Industriecharme mit kontemporärem Designverständnis. Die ehemalige Gießerei, 2000 behutsam restauriert, bewahrt mit gusseisernen Säulen und offenem Grundriss ihre historische Substanz und schafft zugleich ein stimmiges Umfeld für das, was Wittmann ausmacht: handwerkliche Präzision, Sinn für Formen und ein tiefes Verständnis von Komfort. Die gezeigten Entwürfe stammen von namhaften Gestalter:innen wie Jaime Hayon, Sebastian Herkner und Federica Biasi, deren unterschiedliche Handschriften sich überraschend harmonisch zusammenfügen. Inmitten von Klassikern der hauseigenen Kollektion offenbaren die Neuentwicklungen nicht nur Mut zur Form, sondern auch eine feine Balance zwischen Vertrautem und Neuem.

Bei KOLINAS, einer Sofa- und Fauteuilserie von Jaime Hayon, steht das Spiel mit Volumen und weichen Linien im Mittelpunkt. Rund, fast skulptural, wirken die Möbel wie gezeichnete Figuren, die dennoch zum Anlehnen einladen. Inspiriert von der Sinnlichkeit des Verliebens verbinden sie Verspieltheit mit hoher handwerklicher Qualität.

TUYA, ein neuer Relaxsessel desselben Designers, knüpft an dieses Gefühl an. Die ergonomisch durchdachte Form, präzise Nähte und ein stimmiges Zusammenspiel von Linien und Polsterung machen ihn zum zurückhaltenden Solitär mit Charakter. Besonders in Details wie dem Keder zeigt sich jene Sorgfalt, für die Wittmann bekannt ist.


Die DD TABLES, ebenfalls von Hayon, setzen auf Materialkontraste: versetzte Metallstreben tragen eine zweistufige Tischplatte, unten mit Leder, oben nun auch mit Glas erhältlich – eine leichte Variante, die Einblick in die Verarbeitungsebene darunter gewährt.

Sebastian Herkner interpretiert mit BELETAGE das klassische Wohnsofa neu. Die voluminösen Polsterelemente ruhen scheinbar schwerelos auf einem schmalen Metallrahmen, der dem Ensemble Leichtigkeit verleiht. Geometrische und geschwungene Module lassen sich individuell kombinieren, wodurch vielseitige Konfigurationen entstehen. Die Serie bleibt formal zurückhaltend und überzeugt durch ihre durchdachte Konstruktion und zeitlose Eleganz.

Mit BUN bringt Federica Biasi ein Bett und einen Fauteuil auf die Bühne, die von der Form asiatischer Bao Buns inspiriert sind. Die Modelle wirken weich, entspannt und gleichzeitig klar definiert – eine Mischung, die sich unkompliziert in verschiedene Interieurs einfügt. Neu sind kompakte Varianten wie BUN Petit sowie ein Bett, das die Formsprache der Serie ins Schlafzimmer überträgt. Biasi setzt auf Reduktion ohne Beliebigkeit und verbindet spielerische Elemente mit subtiler Raffinesse.

Ergänzt wird die Präsentation durch eine Weiterentwicklung eines hauseigenen Entwurfs aus den 1970er-Jahren: ATRIUM, ursprünglich als kubische Wohnlandschaft konzipiert, erscheint nun in neuer modularer Form als Sofa mit zusätzlichen Elementen wie Hocker, Eck- und Abschlusseinheiten. Der loungige Charakter bleibt erhalten, wird aber in Proportion und Materialität an zeitgemäße Wohnwelten angepasst. Der Auftritt in Mailand zeigt Wittmann als Marke im Wandel – offen für neue Einflüsse, verwurzelt in handwerklicher Qualität und mit einem sicheren Gespür für Räume, die nicht nur gestaltet, sondern gespürt werden wollen. Weitere Informationen unter WITTMANN