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Zwischen Stoff und Story

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Fotos: ELIAS MARIA

Florenz wurde zur Bühne für neue Impulse: Die 107. Pitti Uomo zeigte nicht nur große Namen, sondern vor allem junge Labels, die mit frischen Ideen, unkonventionellen Entwürfen und spürbarem Mut zur Haltung beeindruckten. Trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und globaler Verunsicherung war die Stimmung in der Fortezza da Basso erstaunlich klar: Die Zukunft der Herrenmode wird nicht in Zurückhaltung, sondern in Visionen gemacht. Die Messe, traditionell als Auftakt der internationalen Männersaison gefeiert, zeigte 2025 ein Bild, das diverser, mutiger und experimentierfreudiger war als je zuvor. Besonders im Bereich „Superstyling“, einem der kreativsten Segmente der Pitti Uomo, entfaltete sich das Potenzial einer neuen Designgeneration, die fernab von klassischen Märkten denkt und Mode als Ausdruck von Biografie, Identität und Haltung begreift.

Labels wie Berni, deren Entwürfe zwischen transatlantischen Anleihen, europäischer Fertigung und narrativen Details changieren, machten deutlich, dass Erinnerungen, Popkultur und Alltagsästhetik nicht im Widerspruch zur Eleganz stehen. Es ging nicht um das lauteste Design, sondern um das glaubwürdigste. Auch die Sektion „Futuro Maschile“ setzte mit hybriden Entwürfen auf Wandelbarkeit, Funktion und das Spiel mit Dresscodes. Sportliche Elemente trafen auf Tailoring, Nachhaltigkeit auf Ironie. Es wurde dekonstruiert, verworfen, neu gedacht. Die Besucher der Messe, darunter viele internationale Einkäufer und Modejournalisten, zeigten sich offen für das Ungewohnte und lobten die Präsenz einer neuen Ernsthaftigkeit jenseits des reinen Images. Fernab der Hauptbühnen inszenierten viele junge Labels ihre Kollektionen in kleinen Räumen, atelierähnlichen Settings oder sogar unter freiem Himmel – mit Stoffen zum Anfassen, Gesprächen ohne PR-Filter und einem kreativen Selbstbewusstsein, das ansteckend wirkte. Während große Marken wie MM6 Maison Margiela oder Karl Lagerfeld mit Shows und Installationen präsent waren, war es diese neue Ebene, die der Pitti Uomo 107 ihre besondere Energie verlieh. Auch die Stadt selbst trug dazu bei: Florenz zeigte sich mit seinen Palazzi, Innenhöfen und Gärten als lebendige Kulisse für zeitgenössische Modekultur, in der Altes und Neues produktiv aufeinandertreffen.

Die Mischung aus Renaissancearchitektur, urbaner Kreativität und informellen Formaten verlieh der Messe ihre Relevanz weit über das Business hinaus. Labels wie Setchu, dessen Designer Satoshi Kuwata den LVMH-Preis 2023 gewann, zeigten, wie fließend die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst und Alltagsmode geworden sind. Kuwatas Präsentation in der Biblioteca Nazionale war ein Beispiel dafür, wie tief Mode in kulturelle Erzählungen eingebettet sein kann. Auch G-Star und andere etablierte Marken nutzten ihr kreatives Kapital, um neue Wege zu beschreiten. Doch es war der kollektive Mut der Unbekannten, der den bleibendsten Eindruck hinterließ. Die Pitti Uomo 107 war nicht nur ein Branchentreffen, sondern ein Plädoyer für Vertrauen in neue Perspektiven. Dass dabei auch Kritik, Zweifel und Brücken zwischen Welten Platz hatten, machte sie umso glaubwürdiger. Mode, das wurde in Florenz deutlich, ist kein abgeschlossenes System, sondern ein Raum für Debatte, Wandel und Perspektivenwechsel. Und die aufregendsten Antworten kommen derzeit nicht von den etablierten Marken, sondern von jenen, die sich erst noch ihren Platz schaffen. Der Herbst darf kommen – mit neuen Namen. Weiter Informationen unter PITTI UOMO

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