Wo Skisport zur Kultur wird

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In Monza, unweit von Mailand, beginnt 1923 eine Geschichte, die bis heute den Rhythmus des Winters mitschreibt. Mario und Irma Colombo gründen ein kleines Atelier für Wollhüte – ein Unternehmen, das sich bald durch Erfindungsgeist und Fingerspitzengefühl von anderen abhebt. Der Name, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben von Colombo und Mario, wird zu einem Symbol italienischer Präzision und stilistischer Raffinesse. Was mit Hüten und Gamaschen begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer Marke, die Sportgeschichte und Modeästhetik miteinander verwebt. Als Leo Gasperl, der österreichische Speed-Ski-Pionier, in den 1930er-Jahren auf Colmar aufmerksam wird, entsteht eine Zusammenarbeit, die den Kurs der Marke für immer verändern sollte. Für Gasperl entwirft Colmar das visionäre „Thirring“, einen aerodynamischen Umhang, der sich im Wind aufbläht und den Körper in Bewegung neu definiert – ein frühes Beispiel dafür, wie Funktion und Form bei Colmar untrennbar zusammengehören.

Spätestens in den 1950er-Jahren, als Irma Colombo nach dem Tod ihres Mannes das Unternehmen allein weiterführt, wird Colmar zum Inbegriff von Innovation. Gemeinsam mit dem italienischen Skistar Zeno Colò entwickelt sie die „Guaina Colò“, eine der ersten elastischen Skijacken der Welt, deren Schnitt an Korsettstoffe erinnert und die den Körper wie eine zweite Haut umschließt. Damit beginnt das, was Colmar seither auszeichnet: das präzise Verständnis dafür, wie Stoffe, Technologie und Bewegung ineinandergreifen.

In den 1970er-Jahren erreicht das Unternehmen den Zenit seiner sportlichen Ära. Die „Valanga Azzurra“, jene legendäre „Blaue Lawine“ aus Skigrößen wie Gustavo Thöni, Piero Gros und Erwin Stricker, trägt Colmar auf die höchsten Podeste der Welt. In den Windkanälen von Fiat und Moto Guzzi werden Anzüge getestet, um aerodynamische Perfektion zu erzielen, während das Polytechnikum Mailand an neuen Fasern forscht. So entsteht die ikonische „Cetta“, eine Jacke, die technische Funktionalität mit eleganter Linienführung verbindet – und bis heute als Sinnbild für die Symbiose aus Sport und Stil gilt. In jener Ära wird Colmar zur Uniform der italienischen Skikultur, zum sichtbaren Ausdruck eines Lebensgefühls zwischen Leistung, Schönheit und Tradition.

Die Marke bleibt dabei stets ein Familienunternehmen. In den 1980er-Jahren tritt die dritte Generation an – mit Mario, Giulio und Carlo Colombo, die das Erbe ihrer Eltern fortsetzen und zugleich den Blick nach vorn richten. Der Aufstieg von Alberto Tomba zum internationalen Superstar gibt Colmar ein neues Gesicht. Seine Erfolge auf der Piste, flankiert von den Triumphen von Deborah Compagnoni, verwandeln das Logo mit der Schneeflocke in ein Symbol nationaler Leidenschaft. Die Designs jener Zeit – von der mehrschichtigen „Bormio“-Jacke bis zur farbstarken „Tecnologic“ – spiegeln den Geist eines Jahrzehnts, das keine Angst vor Farbe, Form und Geschwindigkeit hatte.

In den 1990ern und 2000ern wächst Colmar über den alpinen Horizont hinaus. Während die italienischen Skiteams weiter in Colmar starten, findet die Marke ihren Weg auf die Straßen europäischer Metropolen. Mit der Linie Colmar Originals wird der alpine Ursprung in einen urbanen Kontext übertragen: wattierte Jacken, klare Silhouetten, funktionale Materialien – technische Präzision übersetzt in modische Alltagstauglichkeit. Was auf den Pisten von Bormio oder Cortina begann, wird zu einer Ästhetik, die sich zwischen Mailand, Paris und Tokio bewegt. Kooperationen mit Künstlern und Designern wie Shayne Oliver, Yusuke Aizawa oder Morteza Vaseghi zeigen, wie wandelbar die DNA von Colmar ist, ohne ihre Herkunft zu verlieren. Jede dieser Partnerschaften ist ein Echo der Pionierzeit – nur mit neuen Formen, Materialien und Ausdrucksformen.

Dass Colmar heute als Maßstab für funktionelle Mode gilt, ist kein Zufall. Die Verbindung aus Ingenieurskunst und italienischer Eleganz zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte. Wo andere Marken nur Produkte herstellen, bewahrt Colmar eine Kultur: die des Skisports als Lebenskunst, als Ausdruck von Präzision und Freiheit. Die vierte Generation, mit Stefano Colombo, Roberta Colombo und Riccardo Vago, führt diese Haltung fort – mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit, Transparenz und Innovation. Stoffe wie Teflon Eco-Elite, Thermosoft-Wattierungen oder Graphene zeigen, dass Forschung und Verantwortung längst Teil des Designs sind.

Und doch bleibt Monza das Herz des Unternehmens – dort, wo jede Kollektion entsteht, wo jede Naht noch die Handschrift jener trägt, die einst mit Wollfilz und Träumen begannen. Zwischen Archivbildern aus den 1930er-Jahren und den neuesten Performance-Jacken spannt sich ein Jahrhundert italienischer Kulturgeschichte. Colmar hat den Skisport geprägt, die Ästhetik des Winters neu erfunden und das Verständnis von Funktionalität revolutioniert. Heute steht die Marke an einem Punkt, an dem Tradition nicht Stillstand bedeutet, sondern Bewegung – eine Linie, die sich von den Schneehängen der Alpen bis in die Städte zieht. Hundert Jahre nach der Gründung ist Colmar mehr als ein Label. Es ist ein Familienepos, ein Stück italienischer Identität und ein Kapitel Modegeschichte, das noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Weitere Informationen unter COLMAR Fotos © PR COLMAR © Ale Trovati/Pentaphoto

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