Die Idee klingt zunächst nach Kindergeburtstag für Kreative mit Spotify-Playlist: Man bekommt Farben, Pinsel, Spachtel, Schwamm und eine große Leinwand. Dann heißt es: tropfen, sprenkeln, schütten, schleudern. Was dabei entsteht, liegt irgendwo zwischen abstrakter Kunst, Therapie-Session und kontrolliertem Chaos.
Genau darum geht es beim sogenannten Action Painting, einer Kunstrichtung, die im Amerika den 50er-Jahre durch Künstler wie Jackson Pollock berühmt wurde. Nicht das perfekte Ergebnis zählt, sondern die Bewegung selbst. Hinter der Idee, dies nun auch in München zu tun, steht das Unternehmen The Action Painters aus Wien.
Der lässige Kunst-Klub setzt auf eine lebendige Atmosphäre mit 90er-Jahre Chartmusik, Diskokugel an der Decke und Freigetränken im Kühlschrank (neben Soft Drinks auch Bier und Weinschorle).
2,5 Stunden Sessions für Klein und Groß
Wo die Brush Hour stattfindet? In der Arnulfstrasse im oberen Stockwerk der Deutschen Post. Mitzubringen ist nichts außer guter Laune. Der Betreiber stellt neben der bereits erwähnten Getränken Ganzkörper-Schutzanzüge, Schuh-Überzieher sowie Leinwände und Farben.
Nach einer kurzen Einführung hat man zweieinhalb Stunden Zeit, den Pinsel zu schwingen – und zwar ohne Vorgaben und Druck. Bei der Leinwand gilt: Man kann sich eine zu Zweit teilen, oder jeder bucht seine eigene. Gut zu wissen: Das Action Painting-Angebot richtet sich an Erwachsene und Familien mit Kindern ab drei Jahre.
Begleitet werden die Sessions von einem Studierenden der Akademie für Angewandte Künste in München. Sofern gewünscht, wird man also mit Tipps und Inspiration versorgt.
Frei malen, lebendig fühlen
Interessant ist bei den Action Painting Kursen weniger die Kunst selbst als das Gefühl danach. Denn während der Alltag ständig Struktur verlangt, erlaubt dieses Farb-Format das genaue Gegenteil: Unordnung, Spontaneität und Kontrollverlust auf schöne Weise. In einer Welt voller Termine, To-do-Listen und Bildschirmzeit wirkt ein Nachmittag mit Farbeimern plötzlich erstaunlich luxuriös.
Und am Ende hat man tatsächlich ein eigenes Kunstwerk, das man etwa eine Woche abholen kann (gegen Aufpreis auch gerahmt). Meist ist dies sogar besser gelungen als gedacht. Vor allem aber erinnert es an einen kostbaren Zustand: den Moment, in dem der Kopf Pause hatte.
Mehr Informationen unter: de.theactionpainters.com
Text: Nina Zeller, Fotos: Mike Badstübner