Luxuriöse Hotels, exklusive Reisen, maßgeschneiderte Anzüge und teure Autos: Auf den ersten Blick wirkt das Leben von Influencer Chris Fraas wie ein endloser Kurzurlaub. Tatsächlich steckt hinter dem Instagram-Account des Münchners jedoch ein Fulltime-Job. Rund 620.000 Menschen verfolgen inzwischen seinen Alltag. Im Interview spricht der 35-Jährige über seine Karriere.
Chris Fraas: Es war kein Schlüsselmoment, sondern ein Prozess. Meine Leidenschaft für Influencer-Marketing begann während meines Studiums und entwickelte sich Schritt für Schritt zu etwas Ernsthaftem. Als die ersten Kooperationen dazukamen und ich feststellte, dass mir die selbstständige Arbeit nicht nur mehr Freude bereitet, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich ist, stand irgendwann die entscheidende Frage im Raum: Bleibe ich in meinem sicheren Job oder gehe ich meinen eigenen Weg? Ich habe mich für Letzteres entschieden – obwohl viele in meinem Umfeld davon abgeraten haben.
Definitiv die Kündigung meines festen Jobs als Social-Media-Manager. Ein geregeltes Einkommen und eine klare Struktur aufzugeben, um in eine Branche zu wechseln, für die es keinen klassischen Karriereplan gibt, verlangt Mut. Gleichzeitig war genau diese Entscheidung die Grundlage dafür, etwas Eigenes aufzubauen und mich voll auf meine Vision zu konzentrieren.
Viele unterschätzen, wie viel Arbeit hinter Social Media steckt. Es ist ein 24/7-Job. Während andere Wochenende haben, beginnt für mich oft die arbeitsintensivste Zeit. Einen klassischen Urlaub kenne ich kaum. Im Gegenteil: Auf Reisen arbeite ich meist sogar mehr, weil neue Orte immer auch neue Inhalte, neue Ideen und neue Aufgaben bedeuten.
"Mut ist, den Schritt trotzdem zu gehen, auch wenn man nicht weiß, was danach kommt“
Vor allem die Freiheit. Ich kann meine Zeit selbst gestalten, eigene Ideen umsetzen und Locations entdecken, die ich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. Dazu kommen außergewöhnliche Begegnungen und Erlebnisse. Wenn man plötzlich mit Menschen beim Abendessen sitzt, die man bislang nur aus dem Fernsehen kannte, ist das schon etwas Besonderes. Solche Momente weiß ich besonders zu schätzen, weil ich genau weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.
Konstruktive Kritik empfinde ich als wertvoll. Sie hilft mir dabei, mich weiterzuentwickeln und die eigene Perspektive zu hinterfragen. Gleichzeitig gibt es im Netz natürlich auch Kommentare, die eher aus Neid oder Frust entstehen. Damit muss man umgehen lernen. Mir hilft es, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und authentisch zu bleiben. Am Ende kann man es ohnehin nie allen recht machen.
Für mich ist es eine Mischung aus beidem. Manche Menschen sind von Natur aus risikofreudiger. Gleichzeitig wächst Mut mit jeder Erfahrung. Immer dann, wenn man sich auf Neues einlässt, unbekannte Wege geht oder Entscheidungen trifft, deren Ausgang man nicht kennt, entwickelt man sich weiter. Ohne diesen Schritt hätte ich mich beruflich niemals so entfalten können.
Sich weniger Gedanken darüber zu machen, was andere denken könnten. Viele Dinge ergeben sich erst, wenn man den ersten Schritt wagt. Man muss nicht immer alles perfekt planen. Die meisten Grenzen existieren vor allem im eigenen Kopf. Deshalb würde ich meinem jüngeren Ich sagen: Trau dich früher.
… man den Schritt trotzdem geht, obwohl man noch nicht weiß, was danach kommt und sich dabei selbst treu bleibt.
Chris Fraas studierte an der Fresenius Universität in München Medien- und Kommunikationsmanagement. Seit 2019 arbeitet er hauptberuflich als Influencer. 2025 brachte er zusammen mit dem Modehaus Breuninger eine eigene Trachten-Kollektion raus. Zu seinen aktuellen Werbepartnern zählen u. a. Laurent Perrier Champagner, Volvo, die Fashionbrand Olymp und die Uhrenmarke NOMOS.