Luxus mit Geschichte

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In einer Welt, in der Reisen zunehmend zum Ausdruck kultureller Neugier und ästhetischer Sehnsucht wird, markiert das Buch „Culture: The Leading Hotels of the World“ einen neuen Maßstab. Es geht nicht um die reine Darstellung luxuriöser Räume, sondern um eine kuratierte Erzählung über Gastfreundschaft als gelebtes Kulturgut. Über 80 außergewöhnliche Hotels, ausgewählt aus dem globalen Portfolio von The Leading Hotels of the World, öffnen in diesem Band ihre Türen – nicht nur für Gäste, sondern für Geschichten, Traditionen, Rituale und architektonische Visionen, die tief in ihrer jeweiligen Region verwurzelt sind. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem New Yorker Medienunternehmen The Slowdown sowie den Verlagen Phaidon und Monacelli, präsentiert sich das Buch als visuelles und intellektuelles Mosaik. Jedes Haus wird dabei mehrseitig in Szene gesetzt, mit Fotografien renommierter Bildkünstler wie Mark Borthwick, Ilyes Griyeb oder Stefan Giftthaler und Texten von namhaften Autorinnen und Autoren, darunter Spencer Bailey, Kissa Castañeda, Teresa Levonian Cole und Cynthia Rosenfeld, die zugleich als Chefredakteurin des Projekts fungiert.

Die Beiträge widmen sich den spezifischen kulturellen Merkmalen der Hotels – von handwerklichen Details über kulinarische Identitäten bis hin zu landschaftlicher Einbettung und historischer Symbolik. So wird etwa im Capella Ubud auf Bali der Weg zu den Unterkünften über moosbedeckte Steinpfade inszeniert, flankiert von tropischer Vegetation, die mehr Dschungel ist als Garten, während im De L’Europe in Amsterdam ein Ensemble aus orangefarbenen Samtvorhängen und Van-Gogh-Reproduktionen niederländischen Barock neu interpretiert. Das Hotel São Lourenço do Barrocal in Portugal wiederum feiert seine lokale Identität durch 350.000 Terrakottaziegel, die in der Umgebung gebrannt und verbaut wurden – ein stiller, materieller Verweis auf handwerkliche Kontinuität und regionale Bodenständigkeit. Ein ausführliches Gespräch zwischen Schmuckdesignerin Solange Azagury-Partridge und Designikone Tom Dixon im Brown’s Hotel in London ergänzt die Reportagen um eine diskursive Ebene, die den Zusammenhang zwischen Design und Atmosphäre auslotet. Ergänzt wird der Band durch Reflexionen prominenter Kulturschaffender wie Stephen Fry, Deborah Needleman und Jeanne Greenberg Rohatyn, deren Perspektiven deutlich machen, dass diese Hotels keine Kulissen sind, sondern lebendige Mikrokosmen kultureller Ausdrucksformen.

Pico Iyer, der das Vorwort beisteuert, bezeichnet Kultur als eine jener schwer greifbaren Qualitäten, die sich eher erfühlen als definieren lassen – ein Phänomen, das sich in der Art zeigt, wie Räume gestaltet, Gäste empfangen und Geschichten über Generationen hinweg weitergegeben werden. Die Gestaltung des Buches selbst – eine marokkanisch-blaue Seidenhülle mit silberner Prägung, lackierten Kanten und geprägtem Rautenmuster – ist Ausdruck jener Sorgfalt, die auch den porträtierten Hotels eigen ist. Zwischen den Seiten entfaltet sich ein Panorama, das von venezianischer Handwerkskunst im Palazzo Venart über das Le Sirenuse in Positano bis zum Royal Mansour in Marrakesch reicht und dabei stets dem Prinzip folgt, dass wahre Gastlichkeit nicht im Spektakel liegt, sondern in der kunstvollen Verbindung von Ort, Herkunft und Idee. Diese Sammlung vereint Chalets, Stadthotels, Inselresorts, Paläste und private Rückzugsorte zu einem dichten Netzwerk kultureller Räume, in denen Reisen nicht als Konsum, sondern als Begegnung verstanden wird. Jenseits touristischer Erwartbarkeit und standardisierter Fünf-Sterne-Formeln bietet „Culture“ ein neues Narrativ – eines, das die Rolle von Hotels im kulturellen Gedächtnis neu denkt und zugleich als Bestandsaufnahme eines Reisestils fungiert, der in jeder Erfahrung das Einmalige sucht. Nicht die Größe, nicht der Preis und auch nicht die Exotik machen ein Hotel zu etwas Besonderem, sondern die Fähigkeit, mit der es seine Umgebung spiegelt und zugleich neu interpretiert. Die porträtierten Häuser erzählen von regionaler Verbundenheit ebenso wie von internationalem Anspruch, von sorgfältiger Restaurierung historischer Bausubstanz bis hin zur visionären Integration zeitgenössischer Kunst. Einige wie das J.K. Place in Capri oder das Hôtel Hermitage Monte-Carlo setzen bewusst auf eine ästhetische Überhöhung klassischer Ikonografie, andere wie das Jackalope Hotel auf der Mornington Peninsula oder das The Lodhi in Neu-Delhi auf eine Verschmelzung von Avantgarde und lokaler Alltagsrealität. Die Summe dieser Perspektiven ergibt ein vielschichtiges Bild dessen, was kulturelle Gastfreundschaft heute bedeuten kann – nicht als Geste, sondern als Haltung, die sich in Raum, Ritual und Resonanz manifestiert. Weitere Informationen unter PHAIDON Culture: The Leading Hotels of the World, Herausgeber: Spencer Bailey, Vorwort: Pico Iyer, Verlag: Phaidon, Englisch, Hardcover, 304 Seiten, ca. 400 Abbildungen, 65 €, ISBN: 9781580936842

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