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Balance zwischen Glauben und Zweifel

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Gerrit Jacob setzt mit seiner neuen FW25 COLLECTION „MERCY“ auf eine tiefgründige Auseinandersetzung mit religiöser Ikonografie, jugendlicher Rebellion und kultureller Erinnerung. Die Kollektion hinterfragt die Balance zwischen Glauben und Zweifel und thematisiert den Akt der Befreiung, der mit der Infragestellung von Traditionen einhergeht.

Inspiriert von persönlichen Erfahrungen mit dem Christentum, verbindet „MERCY“ eine Ästhetik, die von Baz Luhrmanns opulent-tragischer Neuinterpretation von „Romeo + Julia“ ebenso geprägt ist wie von der provokanten Bildsprache aus dem Kunstbuch „The Holy Bible“ von Broomberg und Chanarin. Während Luhrmanns Film durch seine übersteigerte, fast surreale Inszenierung zwischen Verehrung und Auflehnung schwankt, nutzt die Kollektion dieses Spannungsverhältnis für eine visuelle Erzählung, die Schönheit und Unbehagen zugleich evoziert.

Wie das Kunstbuch, das die Bibel mit ihren gewaltsamen Untertönen neu kontextualisiert, spielt „MERCY“ mit dem Kontrast von Ehrfurcht und Subversion. In diesem Spannungsfeld entstehen Bilder, die den Betrachter herausfordern, sich mit den Widersprüchen kultureller und religiöser Symbolik auseinanderzusetzen. Der Einsatz gesättigter Farbpaletten und verzerrter, airbrush-artiger Prints wird dabei zum Sinnbild für die kindliche Reinheit des Glaubens, die durch persönliche Desillusionierung allmählich ins Fragwürdige kippt. Diese ästhetischen Elemente reflektieren einen rebellischen Geist, der dennoch in der Nostalgie verblasster Erinnerungen verankert bleibt.

Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Alle Lederstücke der Kollektion wurden lokal gefertigt, wobei ausschließlich recycelte Lederjacken und Hosen aus Berliner Vintage-Läden zum Einsatz kamen. Dieses bewusste Upcycling unterstreicht nicht nur den Anspruch an eine verantwortungsvolle Produktion, sondern verleiht den einzelnen Stücken eine individuelle Geschichte.

Die Silhouetten sind von Gegensätzen geprägt: Übergroße Schnitte treffen auf fein gearbeitete Details, wodurch sich die innere Spannung zwischen Freiheit und Begrenzung manifestiert. Jede Kreation erzählt von einem emotionalen Prozess der Selbstreflexion und der Suche nach Identität innerhalb eines größeren gesellschaftlichen und kulturellen Rahmens. Die Kollektion verkörpert das Paradox aus Glauben und Zweifel, Tradition und Neuerfindung – ein Spiel mit Kontrasten, das Gerrit Jacobs Handschrift ausmacht.

Erstmals in der Geschichte des Labels sind die Stücke der Kollektion direkt nach der Präsentation erhältlich. Dieser Bruch mit klassischen Verkaufszyklen spiegelt eine neue Dynamik im Verhältnis zwischen Marke und Konsument wider. In Zeiten der Unsicherheit müssen etablierte Strukturen hinterfragt werden – sei es die Art und Weise, wie Mode präsentiert und vertrieben wird, oder die Rolle, die das Publikum dabei spielt. Mit „MERCY“ schafft Gerrit Jacob eine unmittelbare Verbindung zu seiner Community und fordert dazu auf, über den Wert von Tradition und den Mut zur eigenen Neudefinition nachzudenken. Weitere Informationen unter GERRIT JACOB

VIVA Monaco Redaktion

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