Herr von Hohenlohe, in Ihrer Ausstellung in München werden Sie als „Fernsehmacher, Musiker, Kosmopolit und zugleich Fotograf und Street Artist“ angekündigt. Was war der Auslöser, zu fotografieren?
Das war ein kleines Foto mit meiner Mutter. Ich stand vor dem Spiegel und wartete, bis sie fertig gestylt war, um auszugehen. Wir waren, glaube ich, zu einem Abendessen mit Prince Charles geladen. Sie hatte einen Make-up-Artist und einen Hairstylisten engagiert, das dauerte ewig. Also habe ich nebenbei das Bild geschossen. Als ich das Foto später sah, fiel mir auf, wie viel Geschichte, Tiefe und auch Tragik darin liegt. Die Schönheit meiner Mutter stand ihrer Mutterschaft immer im Weg, wir Kinder kamen an zweiter Stelle. Ich dachte, wenn dieses Bild so viel aussagt, sollte ich weiter probieren, mein Leben in der Fotografie widerzuspiegeln.
Ihre Mutter ist Prinzessin Ira von Fürstenberg. Sie lernten früh den Jetset kennen. Auf Ihrer Website steht „Hubertus von Hohenlohe has seen it all and done it all“. Was treibt Sie an?
Ich verwende das Medium Fotografie, weil es zu mir passt. Es ist viel mehr ein Mittel für mich, um Kunstwerke zu erschaffen als nur Fotos zu machen. Etwa das Foto des Louis-Vuitton-Geschäfts, auf dessen Schaufenster ein Graffiti-Artist die Worte „Lost Values“ gesprayt hat. Es drückt aus, wie sehr wir nur noch nach Markennamen gieren, es gibt keine echte Individualität in den jeweiligen Ländern mehr, alle rasen sie dorthin, was einer diktiert. Ich spiegele in meinen Fotos die Zeit wider, in der wir leben. Jeder Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit – das sagte schon der Maler Gustav Klimt.
Die Kamera reist immer mit?
Mittlerweile ist sie fast Teil meines Ichs. Ich habʹ sie praktisch immer dabei. Und wenn ich meine Leica einmal nicht um den Hals hängen habe, habe ich sofort das Gefühl, ich habʹ sie verloren, obwohl ich sie nur zu Hause vergessen habe.
Karl Lagerfeld, den Sie auch mal porträtierten, sagte respektvoll über Sie: Niemand macht so teure Fotos mit einer so billigen Kamera. Welchen Fotoapparat benutzen Sie?
Anfangs war es eine Fuji mit einem Leica-Objektiv. Dann lernte ich die Leute von Leica kennen, und stellte 2004 in der Wiener Leica Galerie aus, mit Erwin Wurm. Seitdem fotografiere ich mit einer Leica. Derzeit habe ich eine Q2.
Gibt es den „entscheidenden Moment“, den Fotolegende Henri Cartier-Bresson beschrieb?
Ja, aber den muss man sich auch erarbeiten. Man weiß ja nie, wann ein geiler Augenblick kommt, und weil meine Ansprüche mit der Zeit wachsen, werden diese Magic Moments immer seltener.
Wo fotografieren Sie lieber, auf der Straße oder drinnen?
Ich bin ein Streetartist ohne Straße. Ich habe kein Studio und fotografiere fast nie drinnen. Ich verwende lieber das natürliche Licht draußen. Meine Bilder funktionieren bei schlechten Lichtverhältnissen nicht, weil man mich faktisch nicht sieht. Meine Fotos sind ja eine Kombination von dem, was hinter und vor mir ist, mittendrin stehe ich. Diese Kombination erzeugt manchmal ein magisches Gefühl, dann ist das Foto richtig und cool.
Reizen Sie die Technik aus?
Ich mache immer nur ein Foto, es gibt keine Doppelbelichtung, nichts ist überblendet, nichts bearbeitet. Manchmal gebe ich etwas mehr Farbe oder Kontrast dazu. Und die größeren Bilder sind Collagen. Photoshop habe ich vor ein paar Jahren einmal probiert und bin daran gescheitert. Ich denke, das Leben ist colorful enough, da muss ich nichts hinzufügen.
Warum fotografieren Sie fast nur in Farbe?
Seitdem ich geboren bin, kommt es mir vor, als ob um mich herum alles poppig, bunt, lebensfroh und verrückt ist. Meine Wohnung in Wien liegt neben dem Prater, der superfarbig, frech und cool ist. Ich mache dort auch manchmal Fotoshootings. Auch mein Haus in Spanien ist superpoppig. Ich verwandle alles gern in Farbe. Das hat wohl weniger damit zu tun, dass ich viel bei Andy Warhol in der Factory herumgehangen bin. Es ist mein Gefühl, das Positive im Leben zu sehen.
In diesen Zeiten brauchen wir das?
Absolut. Der Galerist sagte, die Ausstellung erlebe er wie eine Heilung. In München ist alles sehr overdosed gehängt.
Die Fotoschau heißt ja auch „Narcistic Overload“. Wen hätten Sie gern einmal vor der Kamera?
Sophia Loren fände ich toll, überhaupt die Stars der 1950er, 1960er und 1970er finde ich spannend. Ältere Menschen haben sehr schöne Gesichter, wenn sie nicht total operiert sind. Und Mick Jagger natürlich, den ich schon oft traf, aber nie fotografiert habe. Eigentlich bin ich dankbar, wie viele bekannte Menschen ich schon vor der Kamera hatte.

„Celebrity Struck“ – (mit Liz Taylor im Warhol-Look)
Hubertus von Hohenlohe, 63, lebt in Marbella, Wien und Liechtenstein. Er macht Musik, Fotokunst und produziert TV-Shows. Als Skirennläufer nahm er sechsmal an Olympischen Winterspielen teil
↘ Ausstellung
Die Leica Galerie München zeigt die Ausstellung Hubertus von Hohenlohe „Narcistic Overload“ bis 30.6. → leica-camera.com
Interview: Gabi Czöppan