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Auf Kulturkurs durch München per Fahrrad

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Ein Ufo, ein stählerner Basketballkorb namens NEVER EVER in unerreichbarer Höhe, ein Misthaufen, zu Kunsträumen gewordene Büros, Popcorn-Falafel und die besten Zimtschnecken der Welt – München steckt voller Schätze, die selbst Locals überraschen – und voller Klassiker, die nie langweilig werden. VIVA MONACO war unterwegs auf drei unterschiedlichen Wegen durch die Stadt. Für alle, die München kennen. Und für alle, die es noch kennenlernen wollen. Auf geht’s!

Route 1: Oper – Residenz – Hofgarten – Odeonsplatz – Kunstareal – Königsplatz

Für die Ohren und für die Augen: das Nationaltheater. Im Sommer wird die breite Freitreppe zum Logenplatz – mit einem Drink in der Hand und perfektem Blick aufs People- und Luxusauto-Watching. Innen warten Plätze für 2101 Zuschauer – mehr als in der berühmten Mailänder Scala. Der Herr auf dem Platz vor der Oper ist übrigens König Max I Joseph. Weil er ein bodenständiger Typ war, ließ er sich nicht im heroischen Stehen inszenieren wie seine Nachfolger, sondern im Sitzen. Schöne Aussichten: Am Max-Joseph-Platz mit Stöckelschuhen im Kopfsteinpflaster feststecken ist bald passé. Er wird begrünt!

Prunkstück gleich daneben ist die Residenz, das Münchner Stadtschloss. Jeder bayerische König hat hier mitgewerkelt, daher der wilde Stilmix. Innen gibt es viel zu erleben: zahlreiche Höfe, die Schatzkammer, das verschnörkelte Cuvilliés-Theater und weitere royale Highlights. Und im Anschluss den dazugehörigen Schlosspark, Pardon: Hofgarten. Fun Fact: Fahrräder waren hier lange Zeit absolut tabu und durften nicht einmal hindurchgeschoben werden.

Am Odeonsplatz nur einen Steinwurf weiter zeigt sich München italienisch: Die Feldherrnhalle wurde nach der Loggia dei Lanzi in Florenz gestaltet und die prunkvolle, sonnengelbe Theatinerkirche, die offiziell St. Kajetan heißt, ist die erste Kirche im Stil des italienischen Spätbarocks nördlich der Alpen. Reingehen empfohlen, sie ist wunderschön.

Weiter geht die Fahrt ins Kunstareal. Neben einem Kosmos an Museen, Galerien, Kunsträumen und Hochschulen im näheren und weiteren Umfeld, sind auch zwei Kuriositäten zu entdecken: eine Art Ufo und ein eigenartiger Basketballkorb. Ersteres stammt vom finnischen Architekten Matti Suuronen und nennt sich Futuro. Besonderheit: erstes vollkommen aus Kunststoff erbautes Haus, in Finnland als Skihütte eingesetzt. Der Basketballkorb aus Stahl auf dem TU-Gebäude an der Barerstraße 21 stammt vom deutschen Bildhauer Benjamin Bergmann. Sein Name: NEVER EVER – darf man gern interpretieren. Sein Zweck: Kunst im öffentlichen Raum.

Last but not least: der Königsplatz. König Ludwig I. ließ ihn Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Akropolis erbauen. Die Nazis missbrauchten den Platz zur Bücherverbrennung. Das Kunstwerk „The Blacklist / Die Schwarze Liste“ vor den Staatlichen Antikensammlungen erinnert daran. Tipp: Im verwunschenen Innenhof der Glyptothek gibt es ein idyllisches Café.

Route 2: Volkstheater – Schlachthof – Bahnwärter Thiel – Dreimühlenviertel – Kunstlabor 2

Diese Runde ist weniger royal, dafür gespickt mit szenigen Zwischennutzungs-Spots und – wer mag – einem Graffiti-Workshop. Guter Start: das Volkstheater. Intendant Christian Stückl nimmt’s wörtlich, möchte, dass das Volk nicht aufgebrezelt erscheint, sondern in normalem Alltagslook. Das Volkstheater liegt im Schlachthofviertel, einem lebendigen Industriedenkmal in ständigem Wandel. Der Gaßner ist jedoch eine Institution. Signature-Produkt des Metzgers: die Weißwurst. Oder Andreas Trapp, der Messerschleifer. Und der berühmte Misthaufen neben der Desinfektionsanlage für die LkWs.

Geschlachtet wird hier auch noch, aber stetig weniger. Immer wieder gibt es Leerstand und die Zukunft des Areals ist schwammig. Die Gegenwart dafür vielfältig. Im „Südgarten“ werden Hochbeete beackert, im Bahnwärter Thiel dürfen Künstler, Gastronomen und Handwerker im wilden Durcheinander von Containern, ausrangierten Trambahnwägen und Wohnwägen arbeiten und ihre Produkte verkaufen. Kräftig gefeiert werden darf hier auch. Unbedingt frische Zimtschnecken probieren, frisch aus dem Ofen der Sauerteig-Bäckerei Bageri!

Auch die Graffiti-Szene pulsiert auf dem Gelände. Im Schlachthofviertel steht die einzige Wand, die legal besprüht werden darf. Ein wichtiger Ort für Nachwuchskünstler. Randnotiz: München war Vorreiter der europäischen Graffiti-Szene – noch vor Berlin oder anderen Städten mit dem legendären Geltendorfer Zug in den 1980er Jahren.

Und dann steht da plötzlich ein Schiff auf einer Brücke. Wie es hinaufkam? Schwierig natürlich –
in der Mitte quer durchgeschnitten in zwei Teilen und mit viel bürokratischem Aufwand. Aber die drei Hahn-Brüder, deren Projekt auch das Bahnwärter Thiel ist, haben’s geschafft, den ausrangierten Ammerseedampfer zu retten, Drinks, Food, Musik und sogar einen Biergarten dahinter anzubieten. Ein echter Promi die „Alte Utting“ und sogar der New York Times einen Bericht mit dieser Schlagzeile wert: „Is Munich getting cool?“

Einen Abstecher wert ist auch das angrenzende Dreimühlenviertel mit den Röcklplatz und vielen Läden, Bars, Restaurants und Cafés, die es zum Teil seit Jahrzehnten gibt. Hier möchte man gern wohnen!

Jetzt aber: Spraydose in die Hand und selbst künstlerisch tätig werden! Beim Workshop im Kunstlabor 2 zeigt z.B. Marian, wie man von der Skizze zum Graffiti kommt und welche Kappe man für welchen Sprühstoß nimmt. Gar nicht so einfach. Ticket hier vorab zu buchen.

An die ehemaligen Büroräume in der Dachauer Straße 90 dürfen nur Profis ran. Stephanie und Christian Utz haben hier ein einzigartiges Projekt geschaffen und aus dem früheren Gesundheitshaus ein Zentrum für Ateliers und verschiedene Veranstaltungen geschaffen. Sehr empfehlenswert, durch die 100 Ausstellungsräume zu spazieren! Und vermutlich ein Geheimtipp, den selbst einheimische Kunstfreunde nicht auf dem Schirm haben.

Route 3: Theresienwiese – Isar – Großhesseloher Brücke – Menterschwaige – Grünwalder Stadion – Giesing

Das Schöne an München: Ruckzuck ist man im Grünen. Auf der Theresienwiese noch kurz den Cricket-Spielern zugucken und vom Oktoberfest träumen, dann rüber zur Isar, auf der Westseite Richtung Heizkraftwerk und über die Großhesseloher Brücke und kurze Zeit später reizt der Augustiner Gutshof Menterschwaige zur Einkehr.

Zurück Richtung Innenstadt könnte man den „Isarhighway“ nehmen oder – weniger frequentiert und weniger stressig – auf breiten Wegen radeln. Dann kommt man auch am bzw. unterm Sechz´ger Stadion, offiziell Grünwalder Stadion, vorbei. Und kurz danach: am Graffito Münchner Räterepublik. Es stammt vom Münchner Künstler „Won“ alias Markus Müller, ist eines der spektakulärsten Wandbilder der Stadt und zeigt eines der intensivsten Kapitel der Stadtgeschichte.

Last but not least: Dorf-Feeling mitten in Giesing in der entzückenden Feldmüllersiedlung, die sich hinter der Tegernseer Landstraße versteckt. Kopfsteinpflaster, alte Handwerkerhäuschen, eine lebendige Nachbarschaft – wer hier wohnt, hat es richtig nett.

Gastrotipps:
NENI München, Mix aus israelischer, rumänischer und spanischer Küche mit lokalen Einflüssen. Das Konzept: „Balagan“, was für das sympathische Chaos steht, das sich beim Teilen und gemeinsamen Essen entwickelt. Besonders zu empfehlen: Popcorn-Falafel. Wissenshäppchen: NENI steht für Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan, die vier Söhne der Gründer.
Talstation , Kleinigkeiten zum Teilen, feine Pasta sowie einheimische Fleisch- & Fischgerichte.
Steinheil 16, nahe beim Kunstareal, Spezialität: außergewöhnliche Schnitzelkreationen und wechselnde Kunst an den Wänden
Augustiner Gutshof Menterschwaige

Hoteltipp:
25hours Hotel The Royal Bavarian, Bahnhofplatz 1

Weitere München-Tipps: https://www.muenchen.travel, www.einfach-muenchen.de

Fotos: © Carolin Fried, München Tourismus, Sigi Müller

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