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Mut made in Munich 

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Eigentlich schien ihr Weg vorgezeichnet: Medizinstudium, Promotion, praktizierende Ärztin. Doch kurz vor dem Berufseinstieg entschied sich Dr. Sophia Thorer, alles anders zu machen. Statt Klinikalltag lancierte sie 2023 ihre eigene Skincare-Marke 25SEVEN. Im Interview spricht die Münchner Unternehmerin unter anderem darüber, warum man nicht immer auf die Erwartungen anderer hören sollte.

Sie haben 2023 Ihre eigene Beauty-Brand lanciert. Wie entstand die Idee dazu?
Dr. Sophia Thorer: Die Idee kam in einem sehr unspektakulären Moment. Nach meinem Medizinstudium saß ich am Schreibtisch und schrieb Bewerbungen für Assistenzarztstellen. Mein Mann fragte plötzlich: „Willst du das eigentlich wirklich machen?“ Diese Frage hat mich völlig unerwartet getroffen. Mir wurde sofort klar, dass die ehrliche Antwort eigentlich „Nein“ war. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal zugelassen, dass mein Weg vielleicht anders aussehen könnte als der klassische. Ich wollte mein medizinisches Wissen mit meiner Leidenschaft für Hautpflege verbinden und eine eigene Skincare-Linie entwickeln. So entstand die Grundlage für 25SEVEN.

War die Gründung Ihrer Marke bislang Ihr mutigstes berufliches Wagnis?

Definitiv. Nach Studium und Promotion nicht den Weg einzuschlagen, den praktisch alle für mich erwartet hatten, war eine große Herausforderung. In meinem Umfeld war immer klar: Sophia wird Ärztin. Familie, Freunde und Bekannte verbanden damit Sicherheit und Planbarkeit. Trotzdem zu sagen: Ich probiere etwas Eigenes aus und stelle diesen Weg zunächst zurück, hat viel Überwindung gekostet. Gerade deshalb war es rückblickend mein mutigster Schritt.

25seven skincare
25seven skincare
Was motiviert Sie, jeden Tag weiterzumachen?

Zum einen die Vision hinter meiner Marke. Mir war es wichtig, evidenzbasierte Hautpflege zu entwickeln, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und gleichzeitig ästhetisch überzeugt. Zum anderen schätze ich die Freiheit der Selbstständigkeit. Nicht, weil man weniger arbeitet – eher im Gegenteil. Aber ich kann Entscheidungen selbst treffen, meine Ideen verwirklichen und meinen eigenen Weg gestalten. Langfristig bedeutet das für mich auch finanzielle Unabhängigkeit und die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie ich leben und arbeiten möchte.

"Viele Entscheidungen fühlen sich anfangs oft riskanter an als sie rückblickend waren"

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Grundsätzlich sehr pragmatisch. Natürlich gibt es Situationen, die einen zunächst enttäuschen. Aber ich versuche, schnell vom Problem zur Lösung zu kommen. Scheitern gehört für mich zum Unternehmertum dazu. Entscheidend ist nicht, ob etwas schiefgeht, sondern was man daraus lernt. Am Ende bleibt ohnehin nur die Wahl, weiterzumachen und die Erfahrung für den nächsten Schritt zu nutzen.

Wann mussten Sie sich zuletzt zu etwas Neuem überwinden?

Eigentlich ständig. Als Unternehmerin und gleichzeitig als Mutter begegnen mir nahezu täglich Situationen, auf die man sich nicht vollständig vorbereiten kann. Gerade beim Aufbau eines Unternehmens trifft man viele Entscheidungen zum ersten Mal und kennt den Ausgang nicht. Ich habe gelernt, dass Mut oft kein großer, dramatischer Moment ist. Viel häufiger bedeutet er, sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Ist Mut eine Charaktereigenschaft oder eine trainierbare Kompetenz?

Für mich ist Mut vor allem eine Entscheidung. Viele Menschen glauben, sie müssten sich erst mutig fühlen, bevor sie etwas wagen. Meine Erfahrung ist genau umgekehrt. Mut entsteht häufig erst durch das Handeln. Jedes Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen, wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Deshalb bin ich überzeugt, dass Mut trainierbar ist.

25seven skincare
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Sie stehen mit Ihrer Marke und auf Social Media in der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Sachliche Kritik empfinde ich als wertvoll. Sie hilft dabei, Dinge zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln. Mit der Zeit lernt man aber auch, zwischen konstruktivem Feedback und Meinungen zu unterscheiden, die man einfach stehen lassen kann. Ein Satz begleitet mich dabei besonders: Man sollte keinen Rat von Menschen annehmen, mit denen man nicht tauschen wollen würde. Das hilft mir, Kritik einzuordnen und gelassen zu bleiben.

Braucht es in Bayern mehr Risikofreude?

Ich finde schon. In Deutschland und auch in Bayern spielt Sicherheit eine große Rolle. Gleichzeitig sehen wir, wie viel Innovation entstehen kann, wenn Menschen den Mut haben, eigene Ideen umzusetzen. Vor allem bei Frauen in Gründung und Führung gibt es noch enormes Potenzial. Oft fehlen nicht der Mut oder die Fähigkeiten, sondern die richtigen Rahmenbedingungen. Deshalb braucht es mehr sichtbare Vorbilder und mehr Räume, in denen Frauen selbstverständlich Unternehmen gründen und führen können.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute raten?

Dass Mut häufig erst mit der Zeit kommt. Viele Entscheidungen wirken in dem Moment größer und riskanter als sie später tatsächlich sind. Und: Mach dir weniger Sorgen und vertraue darauf, dass Umwege keine Fehler sind. Oft zeigt sich der richtige Weg erst, wenn man ihn bereits eingeschlagen hat.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Mut ist, wenn …

… man anfängt, obwohl man noch nicht alle Antworten hat.

Dr. Sophia Thorer studierte an der Technischen
Universität München Medizin und machte parallel
dazu Karriere als Influencerin in den Bereichen
Mode, Skincare und Mama-Alltag. 2023 launchte
sie ihre Beautybrand 25SEVEN. Die evidenzbasierte
Hautpflege besteht aktuell aus sieben Produkten. www.25sevenskin.com 

Nina Zeller

Chefredakteurin & Herausgeberin von VIVA Monaco

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