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Restaurant Tim Raue

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Wer über die Fine Dining-Szene in Berlin spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Tim Raue. Der Zwei-Sterne-Koch hat etwas geschaffen, das in der deutschen Gastronomielandschaft seinesgleichen sucht und zwar eine radikale, unverwechselbare Küche. Sein Gourmet-Restaurant nahe dem Checkpoint Charlie ist längst weit mehr als ein Sterne-Restaurant: Es ist eine Institution, in der moderne Kunst mit poppigen Farben flirtet und internationale Nonchalance mit Berliner Coolness flirtet, während auf den Tellern ein gekonntes Triumvirat vorherrscht aus Süße, Säure und Schärfe.

Zwei Menüs, eine Handschrift 

Bei den Menüs stehen drei zur Wahl. Das „Koi“ bildet eine Hommage an Raues Reisen durch Asien, geprägt von thailändischer Aromatik und Zutaten aus China und Japan. Das Menü „Kolibri“ wiederum widmet sich Raues Heimatstadt Berlin und steht für Gerichte aus seiner Kindheit, neu interpretiert.

Der Auftakt: sieben (Bites) auf einen Streich 

Der Beginn eines Dinners bei Tim Raue wird inszeniert und zwar mit einem kühlen Glas Blanc de Blancs Champagner und hübsch gestalteten Schalen mit sieben verschiedenen Amuse-Bouches, das die gesamte Raue-Klaviatur auf einen Blick, oder besser gesagt einen Biss, offenbart. 

Karamellisierte Walnuss mit Walnusscreme, Gurkensalat mit fermentierter Sambal-Chilisauce, gepickelte gelbe Bete mit Knoblauchmayonnaise, ein Rotkohlmarshmallow mit Apfel, Limette und Jalapeño, Huhn mit fermentierten schwarzen Bohnen, ein intensiver süß-saurer Meeressud und knusprige Topinamburchips – dieser Auftakt zeugt von Können und Kreativität.

Im Verlauf des Abends wird deutlich, dass Texturen bei Tim Raue die Hauptdarsteller sind. Beim Gang „Seehecht mit Dashi-Schmorgurke“ aus dem „Koi“-Menü etwa, oder „Gurke mit Forelle und Imperial Kaviar“ („Kolibri“) spielt die Küche meisterhaft mit Temperatur und Konsistenz: kühl und warm, weich und knackig, alles im Dialog. Als optionaler Gang empfiehlt sich der legendäre Wasabi Kaisergranat, perfekt abgeschmeckt. Aus dem „Kolibri“-Menü ragt der Königsberger Klops „Oma Gerda“ heraus. Ein preußischer Klassiker, der mit erstaunlicher Eleganz serviert wird. Ebenfalls extrem fein: das Hühnerfrikassée mit schwarzem Trüffel und Erbse.

Auch die Desserts zeugen von hoher Qualität. Ob Yuzu Cheesecake mit Karamell und Melange Noir Pfeffer oder Bienenstich mit Aprikose und Mandel. Der Gaumen freut sich über fein balancierte Süße und eine leicht säurebetonte Frische.

Passend zum leicht rebellischen Kulinarik-Ansatz ist auch das Interieur vom Restaurant Tim Raue gestaltet. Gespeist wird inmitten von kräftigen Farbtupfern und moderner Kunst. Die Treppe zum Souterrain hinab zieren asiatische Keramik-Schätze. Alles ist etwas schrill, sehr urban, lebendig und progressiv. Die Energie Berlins bestens aufgegriffen.

Was zudem ins Auge fällt: die Outfits vom Service-Team. Modern geschnittene Uniformen mit eigens für das Restaurant hergestellten Aufnähern – charmant!

Ob sich also eine Reise von der Isar an die Spree lohnt? Klares Ja! Das Restaurant Tim Raue bietet asiatisch inspirierte Sterne-Küche auf einem Top-Niveau. Das Essen hat „bäm“, ist präzise und am Ende vor allem eines: verdammt lecker! 

Weitere Informationen finden Sie unter: https://tim-raue.com

Text: Mike Badstübner, Fotos: Tim Raue/Nils Hasenau

Mike Badstuebner

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