Design trifft Kontext

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Was als überraschende Einladung begann, wurde zu einer der spannendsten Kollaborationen des Designfestivals 3daysofdesign in Kopenhagen: Das dänische Familienunternehmen Vipp übertrug dem französisch-marokkanischen Architektenduo Studio KO die Aufgabe, aus einer ehemaligen Garage ein temporäres Guesthouse zu gestalten – und damit den minimalistischen Vipp-Kosmos neu zu interpretieren. Die daraus entstandene Installation im Hinterhof des Vipp Headquarters schlägt eine Brücke zwischen scheinbar gegensätzlichen Welten: nordische Zurückhaltung trifft auf mediterrane Sinnlichkeit, funktionale Strenge auf poetische Ornamentik, skandinavisches Design auf eine Berber-inspirierte Material- und Formensprache.

Für Studio KO war es die erste architektonische Arbeit in Skandinavien – ein Experiment, das sich als Begegnung auf Augenhöhe entpuppte. Die Garage, ein Überbleibsel aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde entkernt, verwandelt und aufgeladen mit atmosphärischer Spannung. Ein monolithisches Küchenmodul aus verkohltem Holz birgt eine mit Kupfer ausgekleidete V1-Küche, deren Oberfläche im Spiel von Licht und Struktur beinahe skulptural wirkt. Kupfer, eines der ältesten bekannten Metalle, bildet nicht nur die materielle Klammer zur Geschichte des Kochens, sondern verweist auch auf den Ursprung von Vipp – den ikonischen Tretmülleimer von 1939, der hier neu interpretiert wird.

Mit der für Vipp ungewöhnlichen Materialwahl aus geschwärztem Holz, italienischem Marmor, warmem Metall und reich gemusterten Stoffen erschaffen Studio KO eine Szenerie, die nicht als klassisches Wohnkonzept gedacht ist, sondern als sinnliche Erfahrung. Der Vipp Swivel Chair wird mit Stoffen in traditionellen Berbermustern bezogen, während ein übergroßes Sofa mit 56 Metern des Pierre Frey-Textils „Amman Berbère“ fast wie aus einem Nomadenzelt herausgelöst wirkt. Die dazu passenden, in Frankreich handgefertigten Fransen liefern einen überraschenden Kontrapunkt zum sonst so geradlinigen Vipp-Design. Selbstverständlich bleibt das Guesthouse während des Festivals unbewohnbar – es ist kein Ort zum Übernachten, sondern zum Beobachten, Spüren, Denken.

Noch weiter verdichtet wird diese narrative Inszenierung durch einen freistehenden Kiosk, der an die historischen Zeitungspavillons von Paris erinnert. Der als Mini-Pavillon gestaltete Bau präsentiert die Vipp Welt in Form von Postkarten, Keychains und Designpublikationen.

Sein Gerüst aus verkohltem Holz greift die architektonische Sprache des Guesthouses auf und dient gleichzeitig als kommunikativer Treffpunkt im Hof von Snorresgade 22. Was diese Zusammenarbeit so besonders macht, ist weniger die räumliche Transformation als der kulturelle Dialog, der sich darin abbildet – ein harmonischer Gegensatz, den Studio KO selbst als „melodische Antithese“ beschreibt. Die visuelle Sprache ist dabei nicht laut, sondern subtil, das Design kein Selbstzweck, sondern Medium einer vielschichtigen Erzählung über Herkunft, Materialität und Perspektiven. Gleichzeitig wird das Projekt zur eindrucksvollen Weiterentwicklung der Vipp Guesthouse-Philosophie, die seit 2014 Orte schafft, an denen Architektur, Innenraum und Designobjekte eine immersive Einheit bilden. Ob Shelter in Schweden, Loft in Kopenhagen oder Tunnel in Tasmanien – jedes dieser Objekte steht für eine experimentelle Form des Wohnens, in der weniger die Funktion als vielmehr das Erlebnis im Vordergrund steht. Mit der aktuellen Kooperation wird dieses Konzept nun nicht nur erweitert, sondern auch hinterfragt. Was bedeutet Gastfreundschaft in einer Zeit, in der Räume zunehmend performativ und symbolisch aufgeladen sind? Welche Rolle spielt Materialität in der Kommunikation von Werten? Und wie lässt sich Identität über Gestaltung erzählen, ohne Klischees zu bedienen? Das Vipp x Studio KO Guesthouse liefert darauf keine einfachen Antworten, sondern öffnet einen Raum des Fragens – temporär, aber nachhaltig wirksam.

Weitere Informationen unter www.3daysofdesign.dk sowie www.vipp.com.

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