Mit der Kollektion Topo, seiner ersten Zusammenarbeit mit nanimarquina, kehrt der mallorquinische Designer Marc Morro zum Ursprung zurück – zu Kreis, Farbe und Fläche. Es ist eine Rückbesinnung auf die elementaren Mittel, die Architektur und Kunst seit jeher verbinden: Geometrie, Material und Raum. Inspiriert von den Ideen des Suprematismus und den Arbeiten von Kasimir Malewitsch untersucht Morro die emotionale Wirkung minimaler Gesten. Sein Ziel: ein Teppich, der mehr ist als ein Objekt – ein Gedanke, der sich ausbreitet.


Das zentrale Motiv von Topo ist ein einfacher Kreis, am Rand eines rechteckigen Feldes positioniert. Diese subtile Verschiebung erzeugt eine Spannung, die fast architektonisch wirkt. Der Teppich wird so zu einem Raum im Raum – zu einer Fläche, die zugleich begrenzt und öffnet, ordnet und verunsichert. Topo ist Reduktion als Haltung, nicht als Stilmittel: ein grafisches Innehalten auf dem Boden, das zwischen Kunst und Funktion vermittelt. Gefertigt werden die Teppiche in traditioneller Handwebtechnik (Kilim) aus handgesponnener afghanischer Wolle.

Dieses Material verleiht der Oberfläche eine lebendige Struktur und verbindet handwerkliche Tiefe mit modernistischer Strenge. Jede Linie, jeder Faden folgt einer Logik, die an den Werkstatttisch eines Architekten erinnert. Morro sucht keine dekorative Wirkung, sondern eine ehrliche, fast stille Präsenz. Topo stellt Fragen: Wo beginnt Raum, wo endet Form? Kann ein Teppich ein architektonisches Element sein? Erhältlich ist die Kollektion in drei monochromen Varianten – Schwarz, Grün und Rot – jeweils auf einem naturbelassenen Fond. Jede Farbe steht für eine Stimmung, eine Haltung, ein System: Schwarz als Ruhepunkt, Rot als Energie, Grün als Vermittler zwischen Erde und Luft. So entsteht eine Serie, die weniger variiert als kommentiert – eine Studie über Balance und Bedeutung.



Für Marc Morro, 1984 auf Mallorca geboren, ist Topo zugleich eine persönliche Reflexion. Nach seinem Studium des Industriedesigns an der Elisava School in Barcelona hat er sich einen Namen mit Möbeln gemacht, die durch radikale Schlichtheit überzeugen. Seine Entwürfe sind ehrlich, logisch und auf das Wesentliche reduziert – Objekte, die durch Funktion, nicht durch Form laut werden. Auch in Topo bleibt dieser Ansatz spürbar. Der Teppich ist kein Ornament, sondern eine Einladung zum Denken über Fläche und Struktur, über Leere und Präsenz. Dass die Kooperation mit nanimarquina entstand, wirkt folgerichtig. Das 1987 von Nani Marquina gegründete Familienunternehmen ist bekannt für seinen Pioniergeist in der zeitgenössischen Teppichgestaltung. In den Werkstätten in Indien und Pakistan werden seit Jahrzehnten Designs umgesetzt, die kulturelle Techniken mit moderner Formensprache verbinden. Die Zusammenarbeit mit internationalen Gestaltern gehört dabei zum Markenkern – ein kontinuierliches Experimentieren mit Texturen, Farben und Konstruktionen. Topo fügt diesem Erbe eine neue Perspektive hinzu. Es ist kein lauter Entwurf, sondern ein stiller, konzentrierter Kommentar über Design im 21. Jahrhundert. In einer Zeit, in der Überfluss den Alltag bestimmt, schafft Morro einen Gegenpol: Reduktion als Luxus, Einfachheit als Herausforderung. Der Kreis – Symbol für Kontinuität, Einheit und Bewegung – wird hier zu einer visuellen Meditation, einem ruhigen Zentrum im Raum. Am Ende ist Topo weniger Teppich als Konzept. Ein Stück Boden, das Fragen stellt, anstatt Antworten zu geben. Es zeigt, dass Design dann am stärksten wirkt, wenn es nicht imponiert, sondern inspiriert – wenn es die Aufmerksamkeit leitet, ohne sie zu fordern. Ein Werk, das seine Wirkung im Stillen entfaltet und so das tut, was große Gestaltung immer tut: Raum schaffen – für Gedanken, für Formen, für Stille. Weitere Informationen unter nanimarquina Fotos © Carlota Prats © Nina Anton