Ein Hauch von Bewegung auf nassem Asphalt, eine Silhouette, die mit der Landschaft verschmilzt, während übergroße Revers im Wind aufsteigen – Niccolò Pasqualettis Fall/Winter 2025/26 Kollektion eröffnet eine Erzählung zwischen Schutz und Zerbrechlichkeit, zwischen dem Gewicht des Materials und der Flüchtigkeit eines Moments. Im Palais de Tokyo entfaltet sich eine Inszenierung, die Konventionen hinterfragt und textile Gegensätze in eindrucksvolle Spannungen übersetzt. Dreißig Looks definieren eine neue Grammatik der Kleidung, in der Reibung und Auflösung Teil derselben Struktur sind. Aufeinanderprallende Stoffe – raues Tweed gegen geraffte Kanten, feste Lederquadrate, die in akribischer Handarbeit wie ein Panzer zusammengesetzt wurden, kontrastieren mit feinen Pailletten, deren Lichtspiel an mittelalterliches Kettenhemd erinnert. Ein Spiel mit dem Sichtbaren und dem Verborgenen, wenn transparente Netze mit Pailletten und Perlen unter Cashmere hervorblitzen, wie zufällig in die Tiefe gerutscht. Die Silhouetten sind geschlossen, aber nicht starr. Stoffe umschließen den Körper, sammeln sich, bilden Knoten, ohne zu fesseln. Schulterpartien werden durch Schaffell akzentuiert, Umhänge geraten in Bewegung, sobald der Träger einen Schritt macht. Die Kollektion arbeitet mit Schichtungen, die experimentell erscheinen und dennoch mühelos verbunden wirken. Das Wechselspiel robuster Materialien wie Wildleder, Leder und grober Wolle mit der fragilen Poesie von Spitze, Satin und durchbrochener Stickerei führt zu neuen Bildwelten. Abendroben tauchen auf wie aus einer anderen Zeit, erscheinen jedoch geerdet durch die Kombination mit Funktionstextilien. Reitstiefel, nackte Haut unter schweren Mänteln und das erste fahle Morgenlicht erzeugen ein filmisches Tableau – irgendwo zwischen Mythos und Gegenwart. Pasqualetti erzählt über Kleidung, was Worte oft nicht fassen: dass Schönheit ein vorübergehender Zustand ist und das, was bleibt, eine Art innerer Widerstand. Das Narrativ ist flüchtig, aber kraftvoll. Es offenbart sich nicht in lauten Gesten, sondern in Übergängen – im Glanz eines Paillettenmusters, in der Stille zwischen zwei Schritten, im Fall eines Capes, das sich vom Körper löst und doch zum Bild gehört. Weitere Informationen unter Niccolò Pasqualetti





























