Back to the Eighties

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Mit Schulterpolstern, Spandex und Selbstbewusstsein durch ein Jahrzehnt der Extreme – der britische Fotograf David Bailey liefert mit seinem Bildband „Eighties“, erschienen im Taschen Verlag, eine visuelle Chronik der Dekade, in der Mode zur Bühne und Stil zur Haltung wurde. Mit fast 300 Seiten versammelt das Werk legendäre Fotografien aus Magazinen wie Vogue Italia, Vogue Paris und Tatler, zeigt Muse und Modeikone Jerry Hall ebenso wie Tina Turner, Grace Jones oder Helmut Newton – und fängt den visuellen Überschwang der 1980er Jahre in all seinen Facetten ein.

Bailey, 1938 geboren, war bereits in den Swinging Sixties als Porträtist der Londoner Kreativszene gefeiert worden, doch in den 80ern kulminierte sein fotografisches Schaffen in einer Ästhetik, die Glamour, Provokation und Street-Style in einer neuen Form zusammenbrachte. Der Taschen Verlag nennt ihn den perfekten Chronisten einer Mode, die auf Inszenierung setzte und mit ihrer lauten Bildsprache neue Geschmackshierarchien schuf. Entsprechend ikonisch ist das Spektrum der abgebildeten Persönlichkeiten: Neben Supermodels wie Cindy Crawford, Christy Turlington, Naomi Campbell und Marie Helvin finden sich auch Schauspielgrößen wie Catherine Deneuve und Popfiguren wie Tina Turner und Grace Jones.

Selbst Prinzessin Diana, Karl Lagerfeld und Jean Shrimpton, das frühe Gesicht der britischen Modefotografie, erscheinen in diesem Bilderkosmos als Teil eines Jahrzehnts, das keine Zurückhaltung kannte. Viele der gezeigten Bilder sind in klassischem Schwarzweiß gehalten, als wolle Bailey den Blick auf Form und Pose lenken, während andere vor Farbe und Opulenz förmlich explodieren. Couture, Prêt-à-porter und Laufstegmode von Designern wie Azzedine Alaïa, Comme des Garçons, Guy Laroche, Missoni, Stephen Jones, Valentino, Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld dokumentieren die visuelle Vielfalt jener Jahre.

Im Zentrum steht dabei weniger ein linearer Zeitverlauf als vielmehr ein Lebensgefühl, das zwischen Exzess und Eleganz oszilliert. Grace Coddington beschreibt es im Vorwort als Ära der übergroßen Schulterpolster, ultrakurzen Miniröcke und gefährlich hohen Absätze – ein Modestatement, das ebenso für Befreiung wie für Überhöhung stehen konnte. Die Fotografien sind rau und poliert zugleich, humorvoll und zugleich von ikonischer Schärfe. Man spürt Baileys Blick, der stets mitten ins Geschehen zielt und dennoch Distanz wahrt. In einem seiner Zitate fragt Bailey lakonisch: „Warten wir auf die Achtziger? Waren sie schon da? Wo war ich?“ – eine rhetorische Volte, die den Charakter des Bandes perfekt trifft. Denn „Eighties“ ist keine bloße Rückschau, sondern ein Rückkanal in eine Ära, deren Einflüsse heute wieder auf Laufstegen, in Musikvideos und Popästhetik sichtbar werden.

Mit dieser Edition gelingt dem Taschen Verlag ein Dokument, das mehr ist als ein nostalgisches Bilderbuch: Es ist ein stilistischer Atlas der Exzesse, ein ironischer Kompass im Zeichen des Maximalismus – und ein visuelles Zeugnis einer Mode, die sich selbst feierte, ohne sich je ganz zu erklären. Dabei lebt der Band nicht nur von Ikonen und Inszenierungen, sondern auch von der klaren fotografischen Sprache, mit der Bailey das Unausgesprochene sichtbar macht. Seine Nähe zu den Porträtierten, sein unprätentiöser Zugang zur Pose, das blitzartige Erfassen von Momenten zwischen Arrangement und Authentizität verleiht „Eighties“ eine Intensität, die weit über reine Modefotografie hinausreicht. Es ist diese Balance zwischen Distanz und Nähe, Pose und Persönlichkeit, die Baileys Werk zu einem Zeitdokument macht, das seine Wirkung gerade im Rückblick nicht verliert – sondern gewinnt.

TASCHEN David Bailey. Eighties Hardcover, 28.4 x 36.0 cm, 3.55 kg, 296 Seiten, € 100 taschen.com

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