Interview: Bernard Werkmeister
Die Villa Necchi Campiglio gehört zu den architektonischen Juwelen Mailands – klassisch, elegant und umgeben von einem weitläufigen Garten, der zur Milan Design Week 2025 zur Bühne für ein ungewöhnliches Lichtkonzept wird. Im Mittelpunkt steht „Dreamagination“, eine immersive Installation von Occhio, die zeigt, wie sich Räume durch Licht nicht nur gestalten, sondern auch erzählen lassen. Der gläserne Pavillon auf dem Gelände wird dabei zum Schauplatz für eine fein abgestimmte Dramaturgie aus Farbe, Oberfläche und Atmosphäre.




Zu Beginn steht ein klares Statement: „colors by Occhio“ setzt auf Leuchten in intensiven Farbtönen – darunter Blau, Grün, Rot und Violett. Die ikonische Gioia-Serie erscheint in 18 neuen Nuancen, kuratiert, um Licht zum Mittel der individuellen Gestaltung zu machen. Die Farben wirken nicht dekorativ, sondern inszenierend. Statt neutraler Zurückhaltung entstehen gezielte Akzente, mit denen sich Räume neu interpretieren lassen. Licht wird zum stilprägenden Element – emotional, mutig, ausdrucksstark.
Im Kontrast zur farbintensiven Leichtigkeit steht „dark chrome“, eine neue Oberfläche mit spiegelnder Tiefe und geheimnisvoller Ausstrahlung. Die Leuchten wirken fast skulptural, das Licht bricht sich weich und metallisch zugleich. Besonders auffällig: die Mito-Serie, erstmals in dieser hochglänzenden Variante, wirkt fast wie ein neues Objekt. Die Oberfläche entsteht in einem aufwendigen PVD-Verfahren, das ursprünglich aus der Hightech-Industrie stammt – langlebig, pflegeleicht und mit faszinierender visueller Wirkung. „Dark chrome“ orientiert sich an aktuellen Interior-Trends, bleibt aber eigenständig genug, um zeitlos zu sein.

Im Herzen der Installation liegt der Red Saloon – ein Raum in sattem Rot, monochrom, dicht, fast theatralisch. Hier entfaltet die Luna-Serie ihre volle Wirkung. Die kabellose Luna pura lässt sich frei im Raum platzieren und schafft Stimmungen zwischen kühler Mondnacht und warmem Kerzenlicht. Ihre Lichttemperatur ist flexibel einstellbar, das Design zurückhaltend und elegant. Ergänzt wird sie durch Lunanova, eine Neuinterpretation des klassischen Kronleuchters. Statt opulenter Kristalle setzt sie auf klare Linien und modernste Lichttechnologie – reduziert, aber mit starker Präsenz.
In der angrenzenden Lounge, gehalten in einem sanften Apricot, setzen die Serien Coro und Coro moon den Schlusspunkt. Die Formensprache bleibt minimalistisch, das Licht wirkt wie aus dem Inneren der Leuchten herausgelöst. Coro ist mit variabler Zoom-Optik oder fester Linse ausgestattet, Coro moon nutzt die neue fireball Lichtquelle für ein besonders weiches, schattenfreies Leuchten. Gesteuert wird berührungslos, ergänzt durch Funktionen wie „color tune“ oder „Occhio air“. Technische Präzision trifft hier auf zurückhaltende Eleganz.
Mit dieser Installation formuliert Occhio nicht nur ein ästhetisches Konzept, sondern auch eine Haltung: Licht ist mehr als Funktion, es ist ein Mittel der Atmosphäre, der Identität und des Ausdrucks. Seit der Gründung 1999 durch Axel Meise hat sich Occhio von einem Münchner Designprojekt zu einer international gefragten Marke entwickelt – mit eigenen Stores in Mailand, London, Berlin und Shanghai. Der Auftritt in der Villa Necchi Campiglio zeigt, wie diese Entwicklung weitergedacht wird: mit Experimentierfreude, gestalterischer Klarheit und einem Gespür für Räume, in denen Licht die Hauptrolle übernimmt. Weitere Informationen unter Occhio
Fotos © LauraThiesbrummel